Richtig Handeln in einer Akutsituation

Kinderseele in Not

Trauer, Angst, Wut und Hilflosigkeit – der Tod eines nahestehenden Menschen ist für viele ein tiefer Einschnitt. Es gibt keine Übung in Trauer, nichts bereitet uns wirklich auf das Gefühl des Verlustes vor. Unsere Gesellschaft verdrängt den Tod, verbannt ihn aus unserem Alltag und unseren Gedanken. Doch der Umgang mit dem Tod ist die größte Herausforderung des Lebens.

Mit dieser Herausforderung dürfen wir unsere Kinder nicht allein lassen. Wenn wir ihnen Raum für ihre Form der Trauer geben und sie kindgerecht begleiten, dann können wir sogar von ihnen lernen. Kinder trauern anders. Doch ihr Schmerz ist ebenso tief und wichtig wie der unsere.

Wie spreche ich mit Kindern über eine extrem traurige Nachricht?

Hilfreiches Verhalten in einer Akutsituation

Ein besonders belastender Moment für die Eltern: Sie müssen Ihr Kind mit der traurigen Nachricht konfrontieren. In dieser Situation können Eltern und Bezugspersonen vieles richtig machen, wenn sie drei wichtige Verhaltensregeln beherzigen.

 1. Kinder brauchen Wahrheiten, keine Informationsflut

Sagen Sie Ihrem Kind mit klaren, kurzen Worten, was geschehen ist. Keine Umschreibungen, keine Verharmlosungen. Beispielsweise mit einem Satz, wie: »Ich muss dir etwas ganz ganz Trauriges sagen. Der Opa ist tot.« Mehr ist zunächst nicht nötig – weder bei einem Vierjährigen noch bei einem Zehnjährigen. Überfordern Sie Ihr Kind nicht mit einer Flut von Erklärungen. Dies fällt vielen Erwachsenen sehr schwer. Wenn Ihr Kind etwas wissen will, dann wird es fragen. Aber es kann sein, dass diese Fragen erst sehr viel später kommen.

Kinderseele
Kinderseele

2. Emotionen zeigen und darüber sprechen
Nach der Sachinformation muss die emotionale Information kommen. Lassen Sie die Nachricht ankommen. Sprechen Sie dann zunächst über Ihre eigenen Gefühle, beispielsweise: »Ich bin sehr traurig darüber und ich habe schon viel geweint, weil ich so traurig bin.« Damit geben Sie dem Kind eine Erklärung für etwas, das es bereits gespürt hat, bevor Sie überhaupt angefangen haben zu sprechen. Unser limbisches System reagiert aufgrund feiner Signale bereits nach 300 bis 400 Millisekunden mit einem Gefühl der Bedrohung. Deshalb ist eine schnelle Erklärung der Stimmung wichtig. Gleichzeitig zeigen Sie Ihrem Kind bereits einen Weg, mit der Situation umzugehen. Traurigkeit und Tränen sind ein normales und gesundes Ventil – nichts, was wir unterdrücken sollten.

 3.Stimmungswechsel zulassen

Typisch für den Umgang von Kindern mit großer Trauer ist ein plötzlicher Wechsel von Traurigkeit zu Spiel und Spaß. Dies ist für Ihr Kind gut und gesund. Anstatt irritiert zu reagieren und auf gemeinsamem »Traurigsein« zu bestehen, können Sie dem Kind sogar entsprechende Angebote machen: »Was hältst du davon, Schaukeln zu gehen? « Oft brauchen die Kinder auch die »Erlaubnis«, sich kindgerecht und normal zu verhalten.
Ein solcher Wechsel entspricht dem natürlichen Trauerverhalten eines Kindes. Sie gestatten Ihrem Kind, das zu tun, was für es selbst in diesem Moment richtig ist. Kinder spüren fast immer, was sie brauchen.

Kinderseele
Kinderseele

Aber du kannst doch jetzt nicht auf den Spielplatz gehen!

Die größte Schwierigkeit für viele Eltern liegt darin, dass Kinder tatsächlich anders trauern als Erwachsene. Kinder haben den natürlichen Impuls, sich immer wieder aus der Erstarrung der Trauer zu lösen und Dinge zu tun, die ihnen gut tun. Spielen, lachen, rennen, Freunde treffen, in den Kindergarten gehen. Kinder sind nur erstarrt, wenn wir sie dazu zwingen.

Falsche Wertvorstellungen von einem »angemessenen« Trauerverhalten oder sozialer Druck können dazu führen, dass Kinder sich zurückziehen und die Situation nicht gesund verarbeiten. Kinder trauern ebenso tief wie Erwachsene, aber sie tun es auf ihre Weise. Dabei brauchen sie unsere Begleitung, Aufmerksamkeit und Offenheit – keine Moralvorstellungen und Verhaltensregeln.

Vom Kleinkind zur Pubertät – Kindertrauer verändert sich

Trotz aller Gemeinsamkeiten ist Kindertrauer immer individuell. Hierbei bestehen große Unterschiede zwischen den verschiedenen Altersphasen.

Kleine Kinder brauchen viele Jahre, um den Tod zu verstehen und seine Endgültigkeit zu erfassen. Doch sogar Säuglinge sind durch die hormonelle Stressbelastung der Mutter von einem Trauerfall betroffen. Es ist deshalb in keinem Alter unwichtig, wie wir mit unserem Kind und unseren eigenen Gefühlen umgehen.

Die Erfahrungs- und Vorstellungswelten von Kindern sind sehr unterschiedlich, sowohl in der Kindheit als auch in der Jugend. Jugendliche in der Pubertät haben einen anderen Blick auf das Leben und werden anders reagieren als ein jüngeres Kind. Oftmals trauert eine 14-Jährige zunächst nach innen, gleichzeitig geht ihr Blick schneller in die Zukunft. Was wird nun werden? Wie soll es weitergehen?

    Kinderseele
    Kinderseele

    Professionelle Hilfe & Anlaufstellen

    Je wichtiger die verstorbene Bezugsperson und je dramatischer die Umstände, umso wichtiger ist es, frühzeitig Unterstützung zu suchen. Die Arbeit mit einem Psychologen, in Einzelsitzungen oder einer Kindertrauergruppe, kann eine erhebliche Hilfe für das Kind sein, vor allem nach besonders traumatischen Erlebnissen.

    Eine Übernahme durch Krankenkassen erfolgt bislang nur, wenn das Kind ein krankhaftes Störungsbild aufweist. Trauer ist in den meisten Fällen jedoch keine Krankheit, sondern eine normale Reaktion auf ein schlimmes Ereignis. Eltern sollten sich jedoch auf jeden Fall überlegen, ob sie ihr Kind durch eine professionelle Begleitung unterstützen können.

    Als erste Anlaufstelle sind die Angebote der Telefonseelsorge hilfreich. Für ältere Kinder und Jugendliche bietet das Sorgentelefon »Nummer gegen Kummer« eine gute Möglichkeit für Gespräche und weiterführenden Rat. Zu empfehlen ist der Weg über den Kinderarzt oder den Hausarzt. Er weiß in der Regel, was es an regionalen Hilfsangeboten für trauernde Kinder gibt und kann einen Kontakt herstellen.

    Mehr Angebote für Familien finden Sie unter www.novitas-bkk.de

    Die Novitas BKK für Familien

    Gerade Familien brauchen die Unterstützung einer Krankenkasse, die mit- und vorausdenkt. Für Ihre Familie sorgt die Novitas BKK nicht nur für finanzielle Entlastung: Wir unterstützen Mütter schon während der Schwangerschaft, Kinder durch Schutzimpfungen und Kursprogramme oder stellen im Fall der Fälle eine Haushaltshilfe zur Verfügung, um nur einige Beispiele zu nennen. 

    pb_familie
    pb_paar-single

    Singles & Paare

    pb_azubis

    Auszubildende

    pb_studenten

    Studenten

    pb_senioren

    Senioren